The Chronicles of the Platoon Bigler #1

Achtung. Keine Fotografie, aber trotzdem ziemlich gut!
Mein Bruder kam heute vom WK zurück, wo er die letzten drei Wochen den Posten als «Goethebotschafter» besetzte. (Seine Aufgabe war es die vielen Ereignisse und Geschehnisse in schriftlicher Form zu verfassen.) Nach jeder Woche hatte er das Vergnügen seine Erzählung der ganzen Kompanie zu präsentieren.
Ich war sehr amüsiert als ich die Erzählungen las und möchte euch den Spass natürlich nicht vorenthalten... Viel Spass!
Duc Tuan Nguyen

«The Chronicles of the Platoon Bigler »
Week 1, 28.10 – 1.11. 2013: Die wahren Helden unseres Landes
Von Sdt. Duc Tuan Nguyen
*(may contain traces of satire)

«Es wurde also gemunkelt, dass ich für eine Zeitung schreibe, was ich übrigens gar nicht tue, denn ich bin Online-Journalist. Natürlich käme es gelegen, wenn solch eine qualifizierte Person das Zugsjournal übernehmen würde, nicht wahr? Ich frage mich welchem erzählfreudigen Kameraden ich diesen Auftrag zu verdanken habe. (Jenny?) Was springt dabei wohl für mich heraus? Natürlich Ruhm und Ehre. Nun gut, dann werde ich eben im Namen der Armee meinen geistigen Diarrhoe (Fachbegriff für Durchfall - sollte eigentlich jedem Spit Soldat bekannt sein) fliessen lassen und alles daran setzen, dass die Chroniken des Zuges Bigler der Spit Kompanie 5/1 die Historie der Menschheit überstehen wird, sodass unsere Nachkommen die glorreichen Erzählungen unserer Heldentaten unter der Führung des grossen Hauptmann Zesiger ihren Kindern als Gutenachtanekdoten erzählen und diese wiederum Lieder über die Opfer welche wir an jenem WK zu vollbringen hatten, singen können. Ich muss zugeben, so einen Text ohne konkrete Vorgaben zu verfassen, kann durchaus amüsant sein. Hier folgen nun die Ereignisse aus dem Zug Bigler aus der Sicht einer WK-Jungfrau. (Übrigens habe ich am Anschlagbrett gelesen, dass dieses Jahr die Hamburgertaufe* verboten wurde!)

Tag 1
Ich befand mich im Wachtdienst, weshalb es aus meiner Sicht nichts zu berichten gibt. Vielleicht kann man hier noch anmerken, dass die erste Wache des WKs den Bedrohungen, welche von den Einwohner und Primarschüler des Dorfes Affoltern im Emmental ausging, standgehalten hat und zukünftig weiterhin ihr Leben für die Sicherheit der Kompanie aufs Spiel setzen wird. Ihr seid die wahren Helden unseres Landes!
Zudem konnte ich mir am ersten Tag während der «Begrüssungsrede» einen ersten Eindruck von unserem Kadi machen. Der Inhalt des Vortrages war nicht besonders spektakulär oder erwähnungswert und ehrlich gesagt, ist er mir auch schon entfallen. Der Kommandant scheint jedoch eine interessante Persönlichkeit zu sein. Sein Auftritt wirkte kaum totalitär sondern fast schon lässig. Zudem scheint er ein gerechter und fairer Führer zu sein. Mann bin ich froh, dass er unser Kadi ist! (Übrigens bewerbe ich mich hiermit offiziell für das nächste Leistungsabtreten.) Nebst seinen charakterlichen Vorzügen, ich möchte ihm keinesfalls zu nahe treten, ist er doch auch ein äussert gutaussehender Mann, findet ihr nicht auch? - Sind Sie denn schon verheiratet Herr Hauptmann? Ansonsten könnte ich Ihnen ein paar vietnamesische Schönheiten aus meinem Heimatland vorstellen. Ich möchte meine Cousinen und Tanten keineswegs degradieren, jedoch würden sich die nächsten WKs doch gemütlicher gestalten lassen, wenn der Kadi mein Schwager wäre. (Der Zugführer hat mir gesagt, dass das Journal auch witzig sein dürfte und ausserdem liegt jegliche Verantwortung beim Chefredakteur. In diesem Fall wärst du das, Joel. Nein im ernst, bitte nehmt meine «frechen» Bemerkungen nicht zu ernst.)


«Scheissplatz» Sand
Bitte entschuldigt. Ich meine natürlich Schiessplatz Sand. Im Militär ist ja immer alles automatisch scheisse, obwohl es in den meisten Fällen gar nicht so ist, wie zum Beispiel der SchIEssplatz Sand, auf welchen wir unsere Schiesskünste und Sandienstkenntnisse wieder auffrischen durften. Das Gelände ist wirklich sehr schön. Der herbstliche Farbton des fallenden Laub verlieh unserer Ausbildung eine romantische Atmosphäre, welche es uns erlaubte unser volles Leistungsvermögen abzurufen. Bekanntlich sagen Bilder mehr als tausend Worte. Deshalb findet ihr hier eine genauestens dokumentierte Bilderstrecke. (Ich werde dies hier als Referenz angeben, falls ich mich jemals als Fotograf in Krisengebiete bewerben sollte.)
army tuan
Wir beim Manipulieren 
(C) Duc Tuan Nguyen


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Wir beim Verschieben
(C) Duc Tuan Nguyen


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Wir beim Essen
(C) Duc Tuan Nguyen

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Wir beim Sandienst
(C) Duc Tuan Nguyen
Die beste Armee des besten Lande
Ich glaub es war am Donnerstag, als wir einen denkwürdigen Besuch vom Stab unseres Bataillons erhalten haben. Brigadier Kaiser, wessen Funktion mir leider entfallen ist. Was mir aber eindrücklich geblieben ist, war das «Charisma» dieses Mannes. – Ah jetzt ist es mir wieder eingefallen: Er war eigentlich da, um uns über die Weiterentwicklung der Armee zu informieren. Dieses Topic geriet während der Info-Veranstaltung jedoch ein wenig in den Hintergrund. – Er war ein Meister der Rhetorik, der sich Erfahrung und Intellekt gut zu Nutzen machen wusste, um sich die Aufmerksamkeit der Masse zu sichern. Ich bin mir fast sicher, dass viele Anwesende nach diesem Vortrag mit einem gewissen Gefühl von Patriotismus und Nationalstolz den Saal verlassen haben. Er hat das Licht aus einer ganz anderen Perspektive auf unsere Armee und unseren Nationalstaaten gerichtet und damit unsere demokratische Bürgerpflicht gewissermassen wecken können.  Den Inhalt seines Vortrags habe ich mich noch nicht gewagt zu werten, aber er war ein beachtlicher Mann, von welchem ich gerne mehr erfahren hätte. Hier der Inhalt kurz zusammengefasst: «Unsere Armee ist super», «die Schweiz ist ein kleines Paradies», «Wir rüsten ab» und «Und wir brauchen unbedingt die neuen Gripen-Flugzeuge». Zudem meinte er, dass er noch nie so eine «aktive» und «kritisch-konstruktive» Kompanie erlebt hätte, aber ich wette, das sagt er zu jeder.

Ende Woche 1
Es war eine gewissermassen «anspruchsvolle» und «interessante» Woche, in welcher wir viel gelernt und getätigt haben: Händewaschen, Infusionen legen, ABC-Übungen, Tri-Fit etc. An dieser Stelle möchte ich ein Lob an unsere Vorgesetzten und Ausbildner aussprechen, da sie so engagiert etwas zu gestalten versuchen, was eigentlich kaum jemand interessiert. Ihr seid die wahren Helden unseres Landes! (Stichwort: Leistungsabtreten)
Den Nobelpreis für Literatur werde ich hiermit nicht gewonnen haben, aber dies nimmt schon fast Formen einer vollwertigen Reportage an. Deshalb entschuldigt, falls einige Stellen noch holprig sind oder ich Dinge vergessen habe zu erwähnen. Auch wenn es manchmal fast schon zynisch sarkastisch mag, ist das nie meine Absicht. Es freut mich, dass ich über euch berichten kann, obwohl es mich doch auch angurkt, da es zu viel Zeit beansprucht. Ich werde aber weiterhin mit Freude versuchen die interessantesten und komischsten Geschichten unserer gemeinsamen Zeit ans Licht zu bringen. Ihr seid die wahren Helden unseres Landes! Also vergesst nicht - Big Asian Brother is watching you!

*Eine Kompanie ist eine Truppe von Militaristen, welche aus  Zügen (Gruppe von 20-40 Soldaten) die dem Zugführer unterstellt sind. Diese sind wiederrum dem Kompaniekommandanten (Kadi) unterstellt. Diejenigen die zum ersten mal im WK sind, werden Hamburger genannt, und werden normalerweise mit einer Hamburgertaufe (Zwangsbesäufnis - Parcour) willkommen geheissen. Ein Leistungsabtreten erhält man ausserordentliche Leistungen und darf dabei früher in den Urlaub.»


Die nächsten zwei Erzählungen publiziere ich hier in den nächsten Tagen. Stay tuned! ;)

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